ZEITLOS GÜLTIG.

Die Führungsgrundsätze von Sir Ernest Shackleton

Der Polarforscher und Expeditionsleiter Ernest Shackleton wurde durch seine Antarktis Expedition 1914-1917 weltberühmt. Nicht jedoch, weil er sein Expeditionsziel erreichte, sondern weil er seine gesamte Mannschaft nach einer über zweijährigen Odyssee im Eismeer lebend zurückbrachte. Nicht zuletzt ein Ergebnis seiner hausragenden und für die damalige Zeit progressiv und ungewöhnlich anmutenden Führungsgrundsätze.

Das Fundament seiner Führungsgrundsätze bildeten die Werte: Optimismus, Kameradschaft, Klarheit, Loyalität und vor allem Entschlossenheit. Negative Erfahrungen galten für Shackleton als wertvolle berufliche Erfahrungen, optimistisches Arbeitsklima als schlichtes Muss.

Heute, über 100 Jahre nach der missglückten Endurance-Expedition halten wir viele seiner Führungsgrundsätze nach wie vor für wertvoll und zeitlos, und sie alle besitzen nach wie vor absolute Gültigkeit.

Shackleton entwickelte für verschiedenste Situationen konkrete Handlungsanleitungen wie den Aufbau eines neuen Teams, das Führen in Krisensituationen, das Entwickeln von Mitarbeiter:innen etc.

In diesem Beitrag wollen wir 5 Grundsätze näher beleuchten bei denen es um die Auswahl von Mitarbeiter:innen geht.


1. Suchen Sie einen harten Kern von Fachleuten, die Sie aus früheren Projekten kennen oder die Ihnen von Kolleg:innen Ihres Vertrauens empfohlen wurden.

Gemeint ist hier: Wenn Sie die Möglichkeit haben, eine:n Mitarbeiter:in einzustellen, den Sie bereits kennen oder der sich schon bei anderen Aufgaben bewährt hat – so ist diesem der Vorzug zu geben. Shackleton spricht sich auch sehr klar dafür aus, Empfehlungen von Personen zu vertrauen die ähnlich wie Sie „ticken“ und auf deren Urteil Sie vertrauen.


2. Wichtig ist die Wahl des richtigen Stellvertreters. Wählen Sie jemanden aus, der Ihren Führungsstil ergänzt, loyal, aber kein Ja-Sager ist – und gut mit anderen zusammenarbeiten kann.

Leider wird der Stellvertreterregelung heutzutage zu wenig Beachtung geschenkt. Es muss Ihnen klar sein, dass es Situationen geben kann bei denen Sie nicht präsent sein können und jemand anders Führungsaufgaben in Ihrem Sinne übernehmen muss. Besonders wichtig: dies soll nach Shackleton explizit KEIN Ja-Sager sein, sondern jemand, mit dem Sie auch auf Augenhöhe strittige Themen diskutieren können ohne dabei Loyalität einzubüßen.


3. Holen Sie fröhliche, optimistische Menschen in Ihr Team. Diese werden Sie mit der erfolgsentscheidenden Loyalität und einem entsprechenden Kameradschaftsgeist belohnen.

Shackleton gab bei der Personalauswahl stets jenen den Vorzug die im Zweifel optimistischer und fröhlicher auf ihn wirkten. Ein Faktor der meiner Meinung nach bei Aufnahmeverfahren nicht beurteilt wird.

4. Stellen Sie Menschen mit Fähigkeiten und Kenntnissen ein, welche Ihnen selbst fehlen. Betrachten Sie diese nicht als Bedrohung.

Mein Lieblingspunkt. Leider ist es in der Praxis oft zu beobachten, dass Führungskräfte eher dazu neigen Menschen einzustellen, von denen keine Gefahr für die eigene Position ausgeht. Shackleton hatte persönlich nie ein Problem damit, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die Dinge besser beherrschten als er selbst.


5. Führen Sie kreative und unkonventionelle Vorstellungsgespräche, wenn Sie kreative, unkonventionelle Menschen suchen. Beschränken Sie sich nicht auf berufliche Erfahrungen und Fachwissen. Stellen Sie Fragen, die Aufschluss über die Persönlichkeit, Wertvorstellungen und Lebens- und Arbeitseinstellung eines Bewerbers / einer Bewerberin geben.

Schon vor über 100 Jahren war Shackleton ein Verfechter, unkonventioneller Fragen im Aufnahmegespräch zu stellen um ein möglichst valides Bild des Bewerbers zu bekommen.

Leider neigen viele Recruiter:innen dazu, die Klassiker (wo sehen Sie sich in 5 Jahren, was sind Ihre Stärken & Schwächen, wie würden Sie Kollegen und Kolleginnen) zu beschreiben bzw. abzufragen. Das Einzige, was Sie bekommen werden, sind politisch korrekte Antworten und soziale Erwünschtheit.

Probieren Sie es doch mal – angelehnt an Shackleton – mit Fragen wie:

  • Was müsste man tun, um Sie völlig zu demotivieren?
  • Was wollten Sie immer haben und haben es bis heute nicht bekommen?
  • Was wäre Ihre Antwort auf eine gesellschaftliche Frage wie die Arbeitslosigkeit zu senken?
  • Was würden Sie fragen, wenn Sie jetzt an meiner Stelle wären, um den besten Bewerber herauszufinden?
  • Welche konkreten Dinge sind Ihnen bei unserem Bewerbungsgespräch bis jetzt aufgefallen und was würden Sie anders machen?
  • Wie können Sie bei geschlossener Tür testen, ob ein automatisches Licht im Kühlschrank tatsächlich ausgeht?

Alle Führungsgrundsätze und deren Ableitungen für Führungskräfte können Sie bei uns auch im Zuge des Vortrags: „Shackletons Führungskunst“ erfahren.